Und dann der Regen - También la lluvia
Inzwischen habe ich den film También la lluvia gesehen und er hat mir sehr gut gefallen und er eignet sich meines Erachtens auch sehr gut für die Geschichts- und Politikunterricht.
Doch zunächst kurz zum Inhalt des Films. Er spielt in Cochabamba im Süden Boliviens im Jahre 2000, als der Wasserkrieg seinen Höhenpunkt erreichte. In Cochabamba - wie in vielen anderen Orten Lateinamerikas - sollte das Wasser privatisiert werden und dadurch wären die Wasserpreise um das 300fache gestiegen. Die vor allem indigine Bevölkerung organisierte sich und wehrte sich gegen die Wasserprivatisierung. Der Höhepunkt im Wasserkampf war eine gewaltvolle und blutige Auseinandersetzung ziwschen den Protestierenden und der Armeee. Die ganze Stadt wurde blockiert. Schlussendlich wurde das Wasser nicht verprivatisiert und es wurden Kommitees gegründet, um das Wasser zu verwalten. Der Film zeigt diese Auseinandersetzung, den Kampf um das Überleben und die Armut der indigenen Bevölkerung bzw. die Ausbeutung, die bis heute stattfindet.
Der Film hat zusätzlich eine zweite Ebene. Im Film erscheint ein Filmteam, das einen Spielfilm über die Kolonialisierung Lateinamerikas drehen möchte. In Cochabamba castet das Filmteam indigene Schauspieler/innen. Den Regisseur Sebastián spielt Gael García Bernál und den Produzenten Costa, Luis Tovar. Als Produzent möchte Costa soviel wie möglich Geld einsparen und bezahlt die indigienen Statistinnen und Statisten 2 US-Dollar am Tag. Auch die indigenen Schauspieler/innen werden nicht viel besser bezahlt. So entsteht eine große Diskrepanz zwischen der Bezahlung der indigenen Mitarbeiter/innen und der nicht-indigenen Mitarbeiter/innen, die um ein vielfaches besser bezahlt werden und von außen eingeflogen. Das wertvolle an diesem Film ist, dass Originalpassagen aus den Berichten der spanischen Konquistadoren aus dem 16. Jahrhundert zitiert werden und versucht wird sich an diese Berichte zu halten. Natürlich handelt es sich um die Berichte wie von Bartolomé de las Casas oder Montesino (beides Mönche) um Täterberichte, doch sie beschreiben sehr gut die Brutalität der Kolonialisierung und Unterwerfung. Der Originalschauplatz der Zitate ist Kuba und nicht in Bolivien. Die Auswirkungen dieses Massakers (und später die Grippe) sind bis heute zu spüren, denn es leben auf Kuba keine bzw. kaum noch indigene Menschen der Taíno. Im Film ist auch ein indigener Übersetzer zu sehen, er muss der ehemalige Spielgefährte von de las Casas sein, denn er wurde bei der ersten Reise Kolumbus nach der Eroberung der Insel Hispaniola als Sklave Bartolomés Vater geschenkt. Bartolomés Vater war bei der ersten Reise mit dabei. Nach 18 Monaten kehrte der spätere Übersetzer zurück und Bartolomé begegnete ihm wieder als er zur Insel Hispaniola mit Kolumbus mitreiste. Die spanische Krone untersagte eigentlich die Versklavung der indigenen Bevölkerung Lateinamerikas. Bartolomé de las Casas war nach seinem Aufenthalt auf Hispaniola bei der Eroberung Kubas mit dabei.
So spielt der Film "También la lluvia" auf zwei Ebenen im heutigen Cochabamba und zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Das Zusammenbringen dieser zwei historischen Zeitpunkten hat mir sehr gut gefallen, denn es zeigt, dass sich für die indigene Bevölkerung nicht viel geändert hat. Es sind neue Herangehensweisen und Ausbeutungsschemata entstanden, aber auch neue Abhängigkeiten. Der Film ist meines Erachtens nur für Sek II geeignet, denn er ist doch sehr brutal, vorallem die Szenen, die im 16. Jahrhundert spielen. Also ein ein lohnenswerter Film.
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